Wilde Tiere in der Stadt - Thorheiten

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Wilde Tiere in der Stadt

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© Honig Connection

Wilde Tiere in der Stadt - Herausforderungen & Chancen

Spannende Einblicke in Möglichkeiten neuer bzw. neu entdeckter Begrünung von Städten im besonderen Hinblick auf so genannte "Wildtiere" bot das Symposium zur naturnahen Stadtplanung am 22. Februar im Forum der VHS Köln. Allerdings rückten in der Diskussion zwischen Bürger*innen und Expert*innen auch praktische Grenzen in den Blick, die neben den üblichen Brettern vor den Köpfen nicht nur in der Politik vor allem eins verdeutlichten: Jeder von uns hat noch viel zu lernen, um ein neues Miteinander von Tier und Mensch in urbanen Räumen möglichst stressfrei für beide Seiten zu gestalten.

Mit dem Titel "Biene, Igel, Nachtigall & Co. – Ideengeber für Architekten und Landschaftsgärtner" hatte die das Symposium veranstaltende Honig Connection offenbar einen Nerv getroffen, denn mehrere hundert Besucher*innen fanden sich zur liebevoll inszenierten Veranstaltung ein. Als thematisch interessierter, in punkto Gärtnerei und Landschaftspflege jedoch schlichtweg ahnungsloser Gast hörte ich an diesem kurzweiligen Abend zum ersten Mal von "Animal Aided Design", also von wissenschaftlich fundierten wie tierisch inspirierten Ideen zur so genannten "Freiraumgestaltung" in Städten.
In seinem Vortrag führte der Landschaftsarchitekt Thomas Hauck dem Publikum nicht nur vor Augen, dass sich Dächer begrünen lassen, sondern wie eine solche Begrünung zum Vorteil von Tieren, Pflanzen - Stichwort Pflege - und Menschen beispielhaft realisiert werden kann. Überhaupt die Pflege: Ohne Fachwissen - und da muss ich mir an die eigene nicht gerade grüne Nase fassen - und eben die entsprechende Pflege funktioniert verhältnismäßig wenig. Das wurde anschließend auch beim Beitrag des Landschaftsarchitekten Cassian Schmidt deutlich, der nicht nur Beispiele für eine die Sinne erfreuende Bepflanzung ehemals betonierter Flächen mit Stauden präsentierte, sondern mehr als einmal den Pflegeaufwand betonte. Ein Hinweis, mit dem sowohl anwesende Politiker wie auch im "urban gardening" u.ä. engagierte Bürger*innen sofort etwas anfangen konnten - an skurilen Beispielen für die weitreichende Ignoranz gegenüber vermeintlich "wilden" Tieren und Lebensräumen für dieselben mangelte es an diesem Abend wahrlich nicht.
Die Chance, mit lokalen Expert*innen ins Gespräch zu kommen, ließen sich die Besucher*innen nicht entgehen, und der Themen gab es viele: Hier entlud sich Unverständnis über radikale Kahlschläge auf Kölner Grünflächen, dort wurden Tipps nachgefragt, wie sich der eigene Garten oder Balkon Wildtier-freundlicher gestalten lässt. Dorothea Hohengarten, u.a. Sprecherin im Ausschuss "Essbare Stadt", schilderte dazu Inspirierendes aus Gemeinschaftsgärten und von privaten Initiativen. Als Reha-Pädagoge ließ mich der Hinweis von Carmen Meyer, die das Projekt "Bienenfreundlicher LVR" präsentierte, auf die therapeutische Nutzung von Imkerei in einer LVR-Klinik aufhorchen, frei nach dem Motto: Wer ein Bienenvolk gut durchs Jahr bringt, der kann auch wieder die Kontrolle über das eigene Leben zurückgewinnen. Spannend - und mir sofort einleuchtend.
In der abschließenden "Diskussionsrunde" wurde wenig - kontrovers - diskutiert, sondern es ging in erster Linie um hilfreiche bis kritische Ergänzungen vor allem von praktizierenden Gärtner*innen, Landschaftsarchitekt*innen - und zum Schluss meldete sich auch eine Therapeutin zu Wort, deren Plädoyer ich mich absolut anschließen möchte: Wenn wir nicht dafür Sorge tragen, dass alle Kinder wieder von Kindesbeinen an in Kontakt mit "der Natur" treten, und z.B. jede Grundschule einen Schulgarten inklusive der personalen wie strukturellen Ausstattung bekommt, dann nehmen wir künftigen Generationen die Grundlage für ein Verständnis von Zusammenhängen, die für alle Menschen elementar sind - und somit die Lebensgrundlagen.

Hoffnung besteht allerdings, denn ein wachsendes gesellschaftliches Bewusstsein spiegelt sich aktuell an verschiedener Stelle, z.B. in dem bisher erfolgreichsten bayrischen Volksbegehren für Artenvielfalt, bei welchem sich 18,4 Prozent der Wahlberechtigten eingetragen haben. Dass es mit einem wachsenden Bewusstsein allein nicht getan ist, wurde mir auf dem Symposium ebenso schnell deutlich wie mein Bedürfnis als Laie, sachkundig informiert zu werden. Und da ist es ermutigend zu sehen, wie viele Initiativen es derweil gibt, und dass auch Wissenschaftler*innen, zumindest an diesem Abend, sich im Sinne der Erhaltung der Artenvielfalt für synergetisches Netzwerken aussprechen und anerkennen, dass die Perspektive einer einzelnen Disziplin kaum mehr als kleine Ausschnitte eines mitunter aufs Neue überraschend webenden Lebens sein kann.

Notiert im Februar 2019

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